Herausforderungen für den Journalismus in Europa 

 

Im jährlich durchgeführten State of the Media Report, befragt Cision Medienschaffende weltweit dazu, welche Herausforderung sie als die bedeutendsten für den Journalismus erachten. Besonders interessant  ist dabei, welche Unterschiede es zwischen den einzelnen Ländern gibt. Im folgenden Beitrag legen wir ein besonderes Augenmerk auf die Antworten der Journalisten aus Frankreich, England, Deutschland, Schweden, Finnland und Portugal.

 

Auf die Frage, welche in den vergangenen 12 Monaten, die größten Herausforderungen für den Journalismus waren, nannten die Journalisten weltweit am häufigsten die sinkenden Werbeeinnahmen und Auflagenzahlen (22,5 Prozent) sowie den Personalbestand und Ressourcen (17,5 Prozent). Damit wird deutlich, dass in den 12 Monaten vor der Befragung, die vor allem durch die globale Covid-19 Pandemie gekennzeichnet waren, wirtschaftliche und Ressourcen-bezogene Zwänge im Fokus der Medienschaffenden standen.

Nahezu genauso häufig wurden soziale Medien und Influencer, die die traditionellen Medien umgehen (12 Prozent), die anhaltenden Debatten über „Fake News“ (11,4 Prozent) und Angriffe auf die Pressefreiheit (11,1 Prozent) genannt. Wie verhält es sich mit diesen Herausforderungen in den sechs europäischen Ländern?

 

Frankreich: „Fake News“ als größte Herausforderung für die Medienschaffenden  

Im Gegensatz zur globalen Betrachtung, nannten in unserem Nachbarland Frankreich die befragten Journalisten am häufigsten die anhaltenden Diskussionen um „Fake News“ (21,8 Prozent) als die größte Herausforderung im Journalismus. Gefolgt wird diese von sinkenden Werbeinnahmen und Auflagenzahlen (19,6 Prozent). Soziale Medien und Influencer, die die traditionellen Medien umgehen, wurden wie auf globaler Ebene am dritthäufigsten genannt (13,5 Prozent).

Eine geringere Bedeutung messen die Befragten (weniger als 10 Prozent) Angriffen auf die Pressefreiheit oder dem Personalstand sowie Ressourcen bei. Somit spielen zwar auch in Frankreich wirtschaftliche Herausforderungen eine Rolle, stehen aber nicht so sehr im Fokus wie auf globaler Ebene.

 

 

 

Großbritannien: Wirtschaftliche Herausforderungen im Blickpunkt

In Großbritannien sieht die Lage wiederum anders aus. Ähnlich wie auf der globalen Ebene spielen vor allem wirtschaftliche Herausforderung eine Rolle, mehr noch als auf globaler. Mehr als ein Viertel der Journalisten (26,2 Prozent) nannten die sinkenden Werbeeinahmen und Auflagenzahlen als die größte Herausforderung und immerhin über ein Fünftel (20,9 Prozent) den Personalbestand und Ressourcen. Deutlich seltener werden im Anschluss die sozialen Netzwerke und Influencer oder die anhaltenden Diskussionen um „Fake News“ genannt (jeweils 9,6 Prozent). Interessant ist, dass britische Journalisten die zunehmend unscharfe Trennung von redaktionellen und werblichen Inhalten noch eher als Herausforderung sehen, als Angriffe auf die Pressefreiheit.

 

Deutschland: Sinkende Werbeeinnahmen und Auflagenzahlen stehen deutlich im Fokus

Für die in Deutschland arbeitenden Journalisten spielen Herausforderungen, wie Angriffe auf die Pressefreiheit oder die sozialen Medien und Influencer nur untergeordnete Rollen (jeweils 7,2 Prozent). Ähnlich wie in Großbritannien sind es eher die unscharfe Trennung zwischen redaktionellen und werblichen Inhalten (9,9 Prozent) oder aber die Diskussionen um „Fake News“ (15,2 Prozent).

Und die häufigsten genannten Herausforderungen? Hierbei gibt es Ähnlichkeiten zu der globalen und auch britischen Sichtweise: im Fokus der deutschen Journalisten stehen vor allem die wirtschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen. Verglichen mit den anderen betrachteten europäischen Ländern, haben in Deutschland die meisten Journalisten sinkende Werbeeinahmen und Auflagenzahlen als größte Herausforderung genannt (31,4 Prozent) genannt, während 15,4 Prozent Personalbestand und die Ressourcen erwähnten.

 

Portugal: Wirtschaftlicher Druck und Anpassung an News Aggregatoren  

Wie in Deutschland, nannten auch in Portugal die befragten Journalisten am häufigsten die sinkenden Werbeeinnahmen und Auflagenzahlen als größte Herausforderung. Fast ein Drittel (29,9 Prozent) der Journalisten waren dieser Meinung. Die danach am häufigsten genannte Herausforderung war der Personalbestand und die verfügbaren Ressourcen (18 Prozent), vor den sozialen Medien und Influencer (14,9 Prozent). Die im globalen Vergleich ansonsten genannten Herausforderungen, wie „Fake News“ oder Angriffe auf die Pressefreiheit, werden weniger oft genannt.

Auf der anderen Seite erwähnen in keinem anderen europäischen Land die Journalisten so häufig wie in Portugal (5,2 Prozent) die Anpassung an Technologien wie z.B. News Aggregatoren von Google und Facebook, als Herausforderung.   

 

 

 

Finnland: Hohes Bewusstsein für die Abgrenzung von redaktionellen und werblichen Inhalten

Auch in Finnland zeigt sich, dass wirtschaftliche und Ressourcen-bezogene Herausforderungen besonders im Blickpunkt der Medienschaffenden  stehen. Allerdings in anderer Reihenfolge. Während in Großbritannien, Deutschland oder Portugal der Personalbestand und die Ressourcen an zweiter Stelle genannt wurden, sehen fast ein Viertel der finnischen Kollegen darin die größte Herausforderung (24,1 Prozent). Erst am zweit häufigsten, werden die sinkenden Werbeeinnahmen und Auflagenzahlen erwähnt (21,6 Prozent). Zudem werden die unscharfen Trennlinien zwischen redaktionellen und werblichen Inhalten viel stärker als in den anderen Ländern (11,1 Prozent), als Herausforderung betrachtet.

 

Schweden: Der Blick richtet sich auf den Personalbestand und die verfügbaren Ressourcen

Was in Finnland bereits zu beobachten ist, zeigt sich in Schweden noch deutlicher. Nämlich das Empfinden der Medienschaffenden, dass der Personalbestand und die Ressourcen die größte Herausforderung für den Journalismus darstellt. Deutlich mehr als ein Viertel der Befragten (28,3 Prozent) geben dies an. Das sind mehr als in jedem anderen der hier betrachteten Länder. Mit deutlichem Abstand werden anschließend die sinkenden Werbeeinnahmen und Auflagenzahlen an zweiter Stelle genannt (18,6 Prozent).  

 

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