Information während der Coronakrise

Welchen Medienkanälen vertrauen die Deutschen?

Für den „Corona Consumer Report“ befragte das Marktforschungs-Start-ups Appinio in mehreren Wellen 3.500 Personen von 16 bis 65 Personen per App. Auch im Rahmen des „Edelman Trust Barometer 2020“ erschien Anfang März ein Special Report „Trust and the Coronavirus“. Wir fassen die Ergebnisse zusammen.

Beide Umfragen blickten auf das Vertrauen der Bürger in verschiedene Informationsquellen, aber Appinio nahm auch die Nutzung ins Visier. Am intensivsten informieren sich die Deutschen über das Fernsehen (75 Prozent), gefolgt von Online-Nachrichtenportalen (rund um 56 Prozent) und Google sowie sozialen Medien von öffentlichen Stellen, die je etwa 30 Prozent als ihre Quelle wählen. Mit 16 Prozent sind die Printmedien weit abgeschlagen, vermutlich auch, da die Beschaffung schwieriger geworden ist.   

 

Vertrauen lässt zu wünschen übrig

Eventuell spielt erstens der frühe Zeitpunkt der Umfragen während der Coronakrise eine Rolle, zweitens die schwere Fassbarkeit des Geschehens, das selbst viele Staatsoberhäupter erst kleinredeten, und drittens widersprüchliche Aussagen von Experten: Das Vertrauen in die Informationsquellen ist bezüglich der Coronakrise nicht eben überwältigend.  

Laut Appinio vertrauen immerhin etwa 67 Prozent der Befragten dem Fernsehen, je rund 40 Prozent den Onlinemedien, Radiosendern und Webseiten von öffentlichen Stellen. Bei Letzteren liegt die Webseite der Bundesrepublik bei 37 Prozent und die der Bundesländer bei 36 Prozent. In die Aussagen von Freunden und Familie vertrauen lediglich 20 Prozent, da sie keine Experten sind.

Leider hat Appinio sein Umfragedesign recht grob gestaltet, so man nicht tiefer in die Nutzung und das Vertrauen in die diversen Kanäle schauen kann. Auch nicht viel detaillierter wird der Special Report des Edelman Trust Barometers, der damit auch nur grobe Hinweise für die Kommunikationsbranche liefert.

 

 

Vertrauen in die großen Medien, aber nicht in die Politik

Ableiten können Kommunikationsprofis immerhin eines: Die großen Nachrichtenorganisationen genießen auch laut Edelman das größte Vertrauen – 65 Prozent der Befragten sind hier von der Qualität der gelieferten Informationen überzeugt. Sie bieten daher weiter ein gutes Umfeld für die Unternehmenskommunikation. Den sozialen Medien vertrauen laut Edelman nur 26 Prozent der Befragten. Ihre Glaubwürdigkeit ist weiter durch Fake News beschädigt, welche sie auch mit weiteren Maßnahmen nicht ganz in den Griff bekommen.

Da viele hinter ihnen vermutlich eine verborgene Agenda wittern, ist das Vertrauen in die Regierungsstellen auch bei der Umfrage von Edelman gering: Den nationalen Regierungsstellen vertrauen 32 Prozent, den lokalen Regierungsstellen sogar nur 27 Prozent. Auch hier zählt Größe, die Vertrauensbildung stark zu beeinflussen scheint.

Dem entspricht ein weiteres Ergebnis: Freunden und ihrer Familie vertrauen bei Edelman auch nur 25 Prozent der Befragten. Fazit: Die Bürger schauen heute mehr auf das Renommee eines Mediums bezüglich Informationen mit Qualität und weniger auf Einklang von Aussagen mit ihrer eigenen Einstellung. Interessant wäre nun ein detailliertes Bild des Vertrauens in einzelne Medien zu erhalten. Zur Rolle der Unternehmenskommunikation gibt Edelman schon weitere Einblicke – sie steht im Vergleich gut da.

 

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Dieser Beitrag wurde von Uwe Schick verfasst.