Cision Meets... Kirsten Ludowig (Handelsblatt)

Redaktionsalltag beim Handelsblatt im „New Normal“

 

Corona hat auch die Medien vor enorme Herausforderungen gestellt und sie gezwungen, schnell auf die neue Situation zu reagieren. Homeoffice, Recherche, Newsroom, der Einfluss auf den Medienkonsum – das sind nur einige Themen, mit denen sich Journalisten und Medienhäuser nach wie vor auseinandersetzen müssen.

Wir sprachen am 15. September 2021 mit Kirsten Ludowig, stellvertretende Chefredakteurin beim Handelsblatt, darüber, wie sich der redaktionelle Alltag beim Handelsblatt nach rund 18 Monaten Pandemie verändert hat. Welche neuen Prozesse sich etabliert haben? Und welche Auswirkungen diese Veränderungen auf die Zusammenarbeit mit PR- und Kommunikationsprofis hatten?

 

Diesen und anderen Fragen haben wir uns im Gespräch mit Kirsten Ludowig gewidmet:

  • Was sind die Lehren für redaktionelle Prozesse nach diversen Lockdowns?
  • Wie arrangiert sich der journalistische Newsroom im New Normal?
  • Wie schafft man es, trotz der allgegenwärtigen Pandemie, andere Themen zu platzieren?
  • Wie klappt eine noch bessere Zusammenarbeit zwischen Journalisten und PR- und Kommunikationsprofis?
  • Was sind die maßgeblichen Entwicklungen, die den Journalismus in den kommenden Jahren prägen werden?

 

Schauen Sie sich das gesamte Interview als Video an

 

 

 

In unserem Cision Meets... Interview mit Kirsten Ludowig, stellvertretende Chefredakteurin vom Handelbslatt  konnten wir nicht auf alle der von den Teilnehmer*Innen gestellten Fragen eingehen. Genau das wollen wir hiermit nachholen.

 

Wie hilfreich sind digitale Pressekonferenzen oder Q&As für Ihre Redakteur:innen? Wie müssen diese gestaltet sein, damit sie wirklich Mehrwert für Sie bieten (und ggf. mit analogen Veranstaltungen "mithalten" können)? Wie wichtig sind Ihnen exklusive Angebote?

Digitale Pressekonferenzen und Interviews sind zwar kein Ersatz für persönliche Treffen und das Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Sie waren und sind in der Corona-Pandemie aber wichtig, um in Kontakt zu bleiben. Da die Aufmerksamkeit am Bildschirm in der Regel schneller abnimmt, finde ich es angenehmer, wenn digitale Pressekonferenzen möglichst kurz gehalten werden und es im Nachgang noch die Möglichkeit für Einzelgespräche gibt. Das Handelsblatt steht für relevante und exklusive Berichterstattung über Wirtschaftspolitik, Unternehmen und Finanzen, insofern sind exklusive Angebote wesentlich für uns.

 

Nutzen Journalisten auch noch Twitter zur Themenrecherche/Themenfindung? Ich würde gerne mal eine Einschätzung hören, inwieweit Twitter in der Unternehmenskommunikation noch genutzt wird.

Soziale Medien sind wichtig für das Handelsblatt, allerdings nicht für die Recherche. Wir nutzen sie, um auf unsere Inhalte aufmerksam zu machen, Meinungen zu teilen, Diskussionen anzustoßen, Feedback und Impulse zu bekommen und uns zu vernetzen. Ich persönlich konzentriere mich auf LinkedIn als Business Network, weil Themen ausführlicher eingeordnet werden können und das Community Building im Vordergrund steht.

 

Sie haben gesagt, dass eine wichtige Messzahl für Erfolg u.a. “Engagement” ist - Wir sehr werden Redakteure & Redakteurinnen motiviert, vielleicht auch geschult, auf den sozialen Medien besonders aktiv zu sein?

Ja, wir motivieren unsere Redakteurinnen und Redakteure, soziale Medien zu nutzen und dort präsent zu sein. Unser Social-Media-Team ist in regelmäßigem Austausch mit der Redaktion, bietet Schulungen an, beantwortet Fragen und gibt Tipps. Allerdings stellen wir es unseren Redakteurinnen und Redakteure frei, ob sie in den sozialen Medien aktiv sein möchten und wenn ja, wo und in welchem Umfang.

 

Warum sind Sie von der PR wieder zurück zum Journalismus gewechselt? Was war Ihr größtes Learning als PR-Verantwortliche bei Metro?

Das Handelsblatt hat mich seinerzeit gefragt, ob ich wieder zurückkommen möchten – und ich habe „ja“ gesagt. Das führende deutsche Wirtschaftsportal und die führende deutschsprachige Wirtschaftszeitung in einer verantwortungsvollen Position durch die digitale Transformation zu begleiten, das ist eine tolle Aufgabe und eine große Chance. Das größte Learning für mich aus dem Seitenwechsel ist die Erkenntnis, dass ich (Unternehmens-)Kommunikation 1. kann, und dass sie mir 2. Spaß macht. Das weiß man ja erst, wenn man es ausprobiert hat.

 

Nochmals zum Thema Pitch: Finden Sie es besser erst das Thema am Telefon zu schildern und dann schriftlich nachzusenden oder erst eine E-Mail und dann telefonisch nachfassen?

Die Reihenfolge spielt für mich eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist, dass das Thema relevant für das Handelsblatt ist, die nötige Fallhöhe hat und kurz und prägnant – ob schriftlich oder am Telefon – auf den Punkt gebracht wird. 

 

Auf der Seite des Mindshift-Podcast gendern Sie. Planen Sie das auch für die Hauptseiten und die Zeitung? Gibt es da Pläne und Strategien? Wie nehmen Ihre Leser solche Themen an?

Wir diskutieren innerhalb der Redaktion schon länger über das Thema, denn auch Sprache entwickelt sich weiter. Die Lesbarkeit steht bei uns im Fokus, deswegen verzichten wir bislang digital wie Print auf Sonderzeichen wie Genderstern, Unterstrich, Doppelpunkt etc. Aber wir nutzen die vielen anderen Möglichkeiten wie genderneutrale Formulierungen oder abwechselnd feminine wie maskuline Formen, um Diversität sichtbar zu machen.

 

Was würden Sie kleineren Unternehmen oder Start Ups / Scale Ups empfehlen, um das Interesse vom Handelsblatt oder anderen Journalist*innen größerer Medien zu wecken? Ist Storytelling der wichtigste Punkt für Sie? Herzlichen Dank!

Es kommt nicht auf die Größe des Unternehmens an, sondern auf das Geschäftsmodell. Wenn das Geschäftsmodell interessant und vielversprechend ist, dann kann es für das Handelsblatt relevant sein. Wir berichten im Handelsblatt ja sehr viel über Start-ups, den Mittelstand und Familienunternehmen. Aber auch hier gilt: Wichtig ist, dass das Thema die nötige Fallhöhe hat und kurz und prägnant – ob schriftlich oder am Telefon – auf den Punkt gebracht wird.

 

Vielen Dank an alle Teilnehmer des Interviews, und an Frau Kirsten Ludowig für die gehaltvollen Einblicke in den Redaktionsalltag beim Handelsblatt.

 

 

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